WirtschaftspolitikInnovation & Förderung

Innovation beginnt nicht erst mit der ersten Finanzierungsrunde

Die Bundesregierung will mehr privates Kapital für wachstumsstarke Start-ups mobilisieren. Das ist richtig. Innovationspolitik muss zugleich Solo-Selbstständige und Kleinstunternehmen erreichen. Für sie können bereits einige Tausend Euro darüber entscheiden, ob aus einer Idee ein marktfähiges Angebot wird.

Roland Weiniger
Kampagne „Ich bin die Wirtschaft!“
17. August 2026
6 min Lesezeit
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Solo-Selbstständige arbeiten in einer kleinen Werkstatt an einem Prototyp – Symbol für Innovationsfähigkeit ohne Wachstumsfinanzierung.KI-generiert

Lars Klingbeils Ankündigung, die steuerlichen Bedingungen für Start-ups zu verbessern und mehr privates Kapital zu mobilisieren, ist richtig. Unternehmen, die für Entwicklung und Wachstum viel Kapital benötigen, müssen dieses Kapital auch in Deutschland finden können. Wer will, dass hier neue Weltmarktführer entstehen, muss Wagniskapital, Wachstumsfinanzierung und private Investitionen ermöglichen.

Innovationspolitik muss zugleich die Unternehmen erreichen, die keine Finanzierungsrunde planen und dennoch neue Lösungen entwickeln.

68 %

der Existenzgründungen 2025 entfielen auf Solo-Selbstständige ohne Beschäftigte.

44 %

aller Gründungen 2025 hatten ein digitales Angebot.

5.000 €

können einen Prototyp, ein Softwaremodul, einen Produkttest oder eine Zertifizierung finanzieren – ein konkreter Entwicklungsschritt für Solo-Selbstständige.

Quellen: KfW-Gründungsmonitor 2026 (Solo-Gründungen, digitale Angebote, Finanzmitteleinsatz).

Auch Solo-Selbstständige entwickeln neue Lösungen

Diese Politik braucht eine Ergänzung für Solo-Selbstständige und Kleinstunternehmen. Im Jahr 2025 entfielen 68 Prozent aller Existenzgründungen auf Solo-Selbstständige ohne Beschäftigte. 44 Prozent aller Gründungen hatten ein digitales Angebot.

Auch ein einzelner Programmierer, eine Designerin, ein Ingenieur, eine Beraterin oder ein Handwerker kann ein neues Produkt, eine neue Dienstleistung oder ein besseres Verfahren entwickeln. Die Größe eines Unternehmens sagt wenig über die Qualität einer Idee aus.

Das ifo Institut hat insbesondere die Bedeutung solo-selbstständiger Wissensarbeit untersucht. Selbstständige Fachleute bringen spezialisiertes Wissen und neue Perspektiven in Unternehmen ein. Sie wirken damit auch an Innovationsprozessen mit, ohne selbst ein klassisches Technologie-Start-up aufzubauen.

Aus Solo-Selbstständigkeit kann Beschäftigung entstehen

Nicht jeder Solo-Selbstständige will Beschäftigte einstellen. Viele entscheiden sich bewusst für diese Unternehmensform. Andere wachsen, vergeben Aufträge an weitere Selbstständige oder stellen später die ersten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein.

Untersuchungen mit deutschen Paneldaten zeigen solche Übergänge vom Solo-Unternehmen zum Arbeitgeber, auch wenn sie nur bei einem kleineren Teil stattfinden. Arbeitsplätze können aus Solo-Selbstständigkeit entstehen. Sie entstehen aber nicht automatisch.

Wachstum findet außerdem nicht ausschließlich über eigene Beschäftigte statt. Solo-Selbstständige arbeiten mit anderen Selbstständigen zusammen, beauftragen spezialisierte Dienstleister oder bilden projektbezogene Kooperationen. Auch dadurch entstehen Aufträge und zusätzliche wirtschaftliche Aktivität.

Kleine Beträge können einen konkreten Entwicklungsschritt finanzieren

Für diese Unternehmen haben kleinere Förderbeträge eine andere Bedeutung als für ein wachstumsstarkes Technologie-Start-up. Fast vier von zehn Gründungen kamen 2025 mit höchstens 1.000 Euro aus. Weitere 33 Prozent setzten zwischen 1.000 und 10.000 Euro ein.

Ein Innovationszuschuss von 5.000 Euro kann einen funktionsfähigen Prototyp, ein neues Softwaremodul, einen Produkttest, eine Zertifizierung oder den ersten externen Entwicklungsauftrag finanzieren. Für ein Scale-up ist das keine Finanzierungsrunde. Für einen Solo-Selbstständigen kann dieser Betrag darüber entscheiden, ob eine Idee tatsächlich erprobt und angeboten wird.

Für ein Scale-up ist 5.000 Euro eine Notiz im Businessplan. Für einen Solo-Selbstständigen kann dieser Betrag entscheiden, ob eine Idee überhaupt erprobt wird.

Ein Förderfenster für Solo-Selbstständige

Bund und Länder sollten bestehende Innovationsprogramme um ein einfaches Förderfenster für Solo-Selbstständige und Kleinstunternehmen ergänzen:

  • •Zuschüsse bis 10.000 Euro
  • •ein kurzer digitaler Antrag
  • •eine schnelle Förderentscheidung
  • •ein Verwendungsnachweis, der zur Höhe des Zuschusses passt
  • •eine ausdrückliche Öffnung für Unternehmen ohne Beschäftigte
  • •ein anschließender Zugang zu größeren Programmen, wenn aus dem Vorhaben weiteres Wachstum entsteht

Entscheidend müssen die Idee, der konkrete Entwicklungsschritt und die wirtschaftliche Perspektive sein. Eine bereits vorhandene Belegschaft oder die Aussicht auf eine große Finanzierungsrunde darf nicht zur Voraussetzung für jede Form der Innovationsförderung werden.

Wagniskapital für stark wachsende Start-ups und niedrigschwellige Innovationsförderung für kleine wirtschaftliche Akteure gehören zusammen. Wirtschaftspolitik muss die Unternehmen finanzieren, die bereits skalieren. Sie sollte zugleich die überschaubaren Entwicklungsschritte ermöglichen, aus denen neue Angebote, zusätzliche Aufträge und später auch Arbeitsplätze entstehen können.

Fazit

Innovationspolitik, die nur die nächste Finanzierungsrunde im Blick hat, übersieht die Unternehmen, in denen Innovation täglich und ohne Investoren stattfindet.

Eine erreichbare Innovationsförderung für Solo-Selbstständige und Kleinstunternehmen ergänzt das Wagniskapital für stark wachsende Start-ups – sie ersetzt es nicht.

Beide müssen zusammengehören, damit aus Ideen nicht nur erfolgreiche Scale-ups, sondern auch neue Angebote, Aufträge und Arbeitsplätze in der Breite entstehen.

Transparenz

Quellen und Hintergrund

  1. 1.

    Start-ups im Osten: Milliarden in Aussicht – doch die Bahn bremst

    RedaktionsNetzwerk Deutschland, 17. August 2026

    Originalbericht zu den Äußerungen von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil über bessere steuerliche Bedingungen und zusätzliches privates Kapital für Start-ups.

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  2. 2.

    Klingbeil will Steuerbedingungen für Startups verbessern

    ZDFheute, 17. August 2026

    Auf dem Bericht des RedaktionsNetzwerks Deutschland beruhende Meldung.

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  3. 3.

    Investitionen für mehr Wachstum in Deutschland

    Bundesregierung, 16. Juli 2026

    Hintergrund zum Deutschlandfonds sowie zu den zusätzlichen 1,5 Milliarden Euro, die Bund und KfW innerhalb von zehn Jahren für Start-ups und Scale-ups bereitstellen wollen.

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  4. 4.

    KfW-Gründungsmonitor 2026

    KfW Research, Mai 2026

    Primärquelle für die Angaben zu Solo-Gründungen, digitalen Angeboten und dem Finanzmitteleinsatz bei Gründungen.

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  5. 5.

    The Importance of Solo Self-employed Knowledge Work for Germany as a Country of Innovation

    ifo Institut, 28. Oktober 2021

    Untersuchung zur Bedeutung solo-selbstständiger Wissensarbeit für Innovation und wirtschaftliche Entwicklung. Die Untersuchung wurde im Auftrag des Bundesverbands für selbständige Wissensarbeit erstellt.

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  6. 6.

    The Dynamics of Solo Self-Employment: Persistence and Transition to Employership

    Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung und Sozio-oekonomisches Panel, 2017

    Studie zu Übergängen von Solo-Selbstständigkeit in Unternehmen mit Beschäftigten. Die Studie stellt fest, dass solche Übergänge vorkommen, der allgemeine Übergangseffekt aber klein ist.

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